Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit kann jeden treffen. Gerade in den ersten Jahren der „Euro-Krise“ zeigte sich, dass gut ausgebildete Fachkräfte genauso wie nicht Ausgebildete ihren Job verlieren können. Natürlich trifft dieser Schlag nicht jeden gleich hart, nicht alle müssen auch sofort existentielle Sorgen haben, aber alle durchlaufen dieselben Phasen: Wut, Trauer, das Gefühl der Ungerechtigkeit, der Ablehnung und des Versagens, dazu kommt die Angst vor dem Neuen und Unbekannten.

Das Wichtigste dabei ist, anzuerkennen, dass man nicht alleine ist und dass man es auch nicht alleine schaffen muss. Zum einen wird es viele im Freundes- und Familienkreis geben, die schon einmal auf irgendeine Art von Arbeitslosigkeit betroffen waren zum anderen gibt es professionelle Hilfe. Der erste Weg ist sicherlich das Jobcenter, aber darüber hinaus gibt es viele Vereine und Träger, die sich genau mit dieser Thematik auskennen.

Einen großen Unterschied bei der Arbeitslosigkeit der Fachkräfte im Vergleich zu denen, die schlecht oder nicht ausgebildet sind, muss man aber erwähnen: sie fallen schneller wieder auf die „Füße“. Sie haben die Möglichkeit ihre Kenntnisse auch in anderen Bereichen einzubringen und können sich somit „breiter“ bewerben.

Und genau hier ist die Arbeitslosigkeit auch eine Chance: Jetzt kann man die Ausbildung anzufangen, eine Umschulung durchzuziehen oder sich endlich in dem Bereich weiterbilden, den man schon immer machen wollte.

Nadine, Einzelhandelskauffrau

Meine Arbeitslosigkeit begann, als ich nervlich schon am Ende war, aber mir war dieses noch nicht so bewusst gewesen. Konnte mir bei der Arbeit als Kellnerin die kleinsten Bestellungen nicht mehr merken. Nach einigen Gesprächen mit meinen Chef, dass es so nicht weiter gehen kann, wurde ich entlassen. Ich denke, aus Schutz!

Ich wollte nicht lange arbeitslos bleiben und schon gar nicht zum Jobcenter wegen Hartz 4 gehen. Ich wollte ein bisschen Würde in dem Moment behalten. Nach drei Monaten war es aber hart, zu merken, dass ich aus meinem Tief nicht so schnell raus komme, wie ich mir das erhoffte. Aber es war kein Leben, was ich leben wollte und ich wollte da so schnell wie nur möglich wieder raus kommen! Ich bewarb mich bei den Häusern, wo ich immer arbeiten wollte: Baumärkte, Ikea und Saturn. Ich wollte etwas machen, wo ich entweder was mit Möbeln, mit Aufbau oder Technik zu tun habe. Aber um erstmal reinzukommen, habe ich mich für alle Stellen in den Betrieben beworben. Ich bekam unterdessen vom Jobcenter das Angebot, eine Kassenschulung zu besuchen. Ich war sofort begeistert. Mittlerweile arbeite ich in meinem zweiten Traumberuf. Ich arbeite mit Menschen, das ist für mich wichtig!

Eridirian, Bürokauffrau

Ich bin Kubanerin und kam 1998 nach Deutschland. Nach einem 6- monatigen Deutschkurs, habe ich in der Gastronomie angefangen. Ein Jahr später bin ich schwanger geworden. Als mein Kind 1,5 Jahr alt war habe ich eine Ausbildung angefangen. Nach der Ausbildung habe ich Arbeit gesucht und leider nichts gefunden. Ich dachte, es liegt daran, dass ich ein Kind hatte. Heutzutage erscheint mir mein Migrationshintergrund zusätzlich als Einstiegshürde.

Ausra, Hailpraktikerin Psychtherapie

Arbeitslosigkeit…für mich bedeutet es, sich ständig mit diesem Thema auseinanderzusetzen und Lösungen suchen. Dabei wollte ich das schlechte Gewissen den anderen gegenüber, die Arbeit haben, nicht zulassen. Arbeitslosigkeit bedeutet auch, an sich selbst arbeiten zu müssen, z.B. Selbstdisziplin üben, Informatioenn sammeln, Neues entdecken, Kompromisse schließen wie auch über sich selbst lachen zu können. Ja, das vor allem: das Lachen nicht vergessen und die schönen Dinge, die es im Leben gibt. Denn Verzweiflung ist der direkte Weg zum Misserfolg.

 

 

 

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