PROJEKTLEITERIN AUTOMOBILINDUSTRIE

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Glück hat sie mit ihrem Arbeitgeber, sagt Carla, denn die Arbeitsbedingungen sind modern und flexibel. Als Projektleiterin arbeitet Carla in Vollzeit, sie hat einen Homeoffice-Tag in der Woche und durch Gleitzeit kann sie ihre Arbeitszeiten an ihre Bedürfnisse anpassen. Ihre beiden Kinder sind 7 und 11 Jahre alt.

Carla ist die Tochter italienischer Einwanderer und wuchs in Berlin-Wedding auf. Als sie in der zehnten Klasse noch nicht weiß, was sie einmal werden möchte, macht sie einfach erstmal das Abitur. Danach folgt eine Ausbildung als Hotelfachfrau, denn irgendwie muss es ja weitergehen; die Eltern legen ihr diese Ausbildung nahe. „Ich hatte am Anfang keine hohen Ansprüche, was meine Karriere betrifft,“ gesteht sie offen. Und so ergeben sich die Dinge anfangs ohne große Mühen. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung rutscht Carla direkt in den ersten Job und das Geldverdienen motiviert sie zunächst.

Doch nach zwei Jahren hängt sie den Job an den Nagel, denn die Arbeit erfüllt sie einfach nicht. Eine lange Orientierungsphase beginnt, Carla hat sich arbeitssuchend gemeldet und während sie in der Zeitung die Stellenanzeigen liest, entscheidet sie sich letztendlich für eine Umschulung zur Bürokauffrau. Nach Abschluss der zweiten Ausbildung beginnt die Bewerbungszeit: Carla schreibt vor allem Bewerbungen an große Firmen, unter anderem an Mercedes Benz. Nach einigen Vorstellungsgesprächen entscheidet sie sich für eine befristete Stelle bei einem Pharmaunternehmen, um erst einmal in die neue Arbeit hereinzuschnuppern. Von dort aus bewirbt sie sich erneut bei Mercedes Benz und wird nach drei Gesprächen genommen. Dort arbeitet Carla nun seit 15 Jahren. Und sie ist aufgestiegen, hat sich als zweifache Mutter eine verantwortungsvolle Position erkämpft, sie leitet ein eigenes Projekt.

Seit sechs Jahren ist Carla alleinerziehend, die Kinder waren also noch sehr klein, als die Eltern sich trennen. „Man muss sich zwar weniger abstimmen und auseinandersetzen,“ sagt die 43-Jährige, „aber es ist auch eine große Verantwortung und der Alltag ist aufwendig!“ Es gibt regelmäßigen Kontakt der Kinder zu ihrem Vater, aber „die Hauptlast liegt bei mir“. Deshalb ist sie froh, dass ihr Vater regelmäßig hilft und die Kinder zur Schule begleitet, sie abholt und nachmittags nach Bedarf auf sie aufpasst. Doch es wird auch immer anstrengender für den Großvater je älter er wird. Gut, dass auch die Kinder immer selbstständiger werden, „deshalb mache ich mir keine großen Sorgen um ihre Betreuung,“ sagt die gut organisierte alleinerziehende Mutter.

Nach der Trennung habe sie sich nicht gleichwertig zu anderen Eltern gefühlt. Es kam Carla wie ein Defizit vor, wenn sie bei sozialen Anlässen allein auftauchte. Inzwischen hat sie sich daran gewöhnt und festgestellt, dass sie auch mit Paaren fabelhaft zurechtkommt. Außerdem hat sie mittlerweile andere Alleinerziehende kennengelernt und tauscht sich regelmäßig mit ihnen aus.

Die Bildung ihrer Kinder ist Carla sehr wichtig und sie wünscht sich, dass beide alles erreichen, um glücklich zu sein. „Abitur wäre natürlich mein Wunsch für beide,“ doch Carla will auch realistisch bleiben und schauen, was für das einzelne Kind machbar ist. Die Auswahl der Schule nimmt sie sehr genau, denn dort verbringen die Kinder immerhin viel Zeit. Auch der Hort spielt eine große Rolle. Nicht ganz einverstanden ist Carla mit den Kosten, die sie dafür aufbringen muss, denn sie wird genauso behandelt wie eine Paarfamilie mit zwei Verdienern. „Letztendlich bin ich aber in der Doppelfunktion hauptverantwortlich für die Kindererziehung und die finanzielle Absicherung der Familie. Das wird bei den Betreuungskosten der Kinder jedoch nicht beachtet,“ ärgert sie sich, „das Kindergeld ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Ihre Freizeit verbringt Carla mit Freundinnen. Doch wenn die Kinder alle zwei Wochen über das Wochenende beim Vater sind, fällt auch immer eine Menge Arbeit im Haushalt an „Putzen und Einkaufen – das mach ich lieber, wenn die Kinder nicht da sind. Nur so können wir die Familienzeit miteinander genießen.“

Carlas Rat an alle anderen Alleinerziehenden: „Die Basis ist immer, ein Ziel vor Augen zu haben und zu versuchen, dem Ziel näher zu kommen!“