Jennifer „Ich habe meine Träume umgesetzt!“

Jennifer, 36, Unternehmerin

Was machst Du beruflich?
Ich leite ein Unternehmen für Medienproduktion und Eventorganisation: die DIVERSITY ART MEDIA DAM UG. Die zentralen Geschäftsfelder sind ein Onlinemagazin und eine Galerie, bzw. ein Veranstaltungsort – weitere Projekte folgen.

Was auf Deinem Weg war schwer und warum?
Ich hatte keine ideale Startposition: Null Investitionskapital, keinen Namen, kein Büro etc. Alle Bekannten meinten, ich sei des Wahnsinns, als ich 2007 den Schritt in die Freiberuflichkeit wagte. Und dazu noch in zwei Branchen (Journalismus und Kunst) mit schlechten bis gar keinen Verdienstchancen.
2012 wurde ich noch „größenwahnsinniger“, indem ich aus der wackeligen Auftragslage des freien Marktes eine Unternehmensgesellschaft gründete und ein Onlinemagazin (http://www.diversity-art-media.com/) startete. Seit Dezember 2012 existiert auch ein Live-Veranstaltungsort. In der DIVERSITY ART GALERIE finden Kunst- und Kulturevents sowie Businessmeetings, Seminare, Workshops und Charities statt.
Als äußerst hinderlich empfinde ich die Tatsache, dass es Null Unterstützung gibt, bzw. dass man Verantwortung an Dritte (Fremde!) abgeben muss, um Förderungen zu erhalten.
Ich habe innovative Dienstleistungen, Marketingkonzepte für die Kreativwirtschaft und neues  Medium, entsprechend den Reformen des multimedialen Zeitalters entwickelt. Aber hierfür gibt es keinerlei Subventionen: Nur technische Neuerungen haben eine Chance auf Selbige.
Ein großes Problem ist, dass viele Menschen die Leistungen nicht anerkennen und keinen Respekt vor der Arbeit anderer haben. Ihre eigenen Leistungen wollen sie überteuert veräußern, finden es aber geradezu unmoralisch, dass sie für irgendwas bezahlen müssen. Diese Haltung ist innerhalb der Kunst sehr verbreitet, aber auch in anderen Branchen ein häufiges Phänomen.
Die Wahrscheinlichkeit kompetente Mitarbeiter zu finden, ist geringer als sechs Richtige im Lotto. Alles was ich aus der Hand gebe, entwickelt sich zum absoluten Desaster, sei es Rechtsberatung, Buchhaltung, … und vor allem Programmierung.
Unmengen an Zeit und Energie rauben einem Menschen, die unter dem Vorwand einer Kooperation nur labern wollen. Da gibt es drei übergeordnete Kategorien: 1. Die Betreffenden wollen nur eigene Produkte andrehen. Hierbei handelt es sich um MLM und dergleichen. 2. Es ist ihnen langweilig. 3. Sie wollen nur darauf hinweisen, dass sie selbst mal etwas in die Richtung gemacht hätten und „viel mehr Ahnung“ hätten.
 
Was ist Dir gut gelungen?
Wie bereits erwähnt habe ich aus dem Nichts eine Firma aufgebaut und leite nun ein Magazin und eine Galerie.
Im Jugendalter haben die meisten Träume: In der Mehrheit geht es darum, etwas Besonderes zu leisten und zu erleben, nicht in die Tretmühle zu geraten, kein „Spießer“ zu werden etc. Normalerweise geraten diese Träume irgendwann in Vergessenheit. Bei mir nicht! Ich habe meine Träume umgesetzt und einige warten noch darauf, umgesetzt zu werden. Da ich das Gleiche von meinem Gegenüber erwartet hatte und auch deren Aussagen ernst genommen habe, bin ich nun sehr enttäuscht. Mit kaum jemand aus der Zeit habe ich noch Kontakt. Es passt nicht! Dafür begegne ich jetzt vielen tollen Menschen, die Außergewöhnliches leisten, viel wissen und kreativ sind. Das ist eine Bereicherung!
Was mir noch gut gelungen ist: Ich habe den „Zeitgeist eingefangen“. Während viele sich mit den Änderungen der Neuzeit schwer tun, entdecke ich das positive Potential und nutze es für unsere Firma. Somit kommt es auch allen zugute, die mit DAM in irgendeiner Form kooperieren.
Wir verstehen uns auch als Sprachrohr für die „Kleinen“. Den etablierten Medien geht sehr viel kreatives und konstruktives Potential verloren, solange sie nur hinter den „großen Stories“ her sind. Das können sie auch gerne so weiterführen, dann bleibt uns länger das Alleinstellungsmerkmal.
Den Zeitgeist habe ich auch mit dem Veranstaltungsort erfasst. Durch die Querverbindungen, die in der DIVERSITY ART GALERIE täglich gelebt werden, integriere ich die Kunst ins alltägliche Leben und bringe Farbe in selbiges.
Ein wesentlicher Aspekt der Neuzeit ist Nachhaltigkeit. Mit unserem bisherigen Umgang mit der Natur, den Tieren, den Ressourcen etc. graben wir uns selbst das Wasser ab. Das erkennen immer mehr Menschen. Folglich ist Nachhaltigkeit auch ökonomisch die Zukunft. In der DIVERSITY ART GALERIE bieten wir viele Bio Getränke an. Das Catering bei Events ist vegan und nach Möglichkeit regional und Bio. Auch Firmen, die in die Richtung aktiv sind geben wir gerne bei DIVERSITY ART MEDIA eine Plattform.
 
Welche Rolle spielt Bildung in Deinem Leben?
Bildung sollte meiner Ansicht nach bedarfsoptimiert sein. Das heißt, wenn man ein bestimmtes Ziel hat, wird man schon die nötigen Erfahrungen sammeln, um es zu erreichen.
Die konventionelle Ausbildung oder das Studium können von Vorteil sein, Sicherheit bieten etc., müssen sie aber nicht. In vielen Zusammenhängen wird nicht mehr nach dem Studium gefragt. Oder es kann sein, dass man durch eine Schicksalswendung den erlernten Beruf nicht mehr ausüben kann. Viel wichtiger finde ich, die Bereitschaft, sich auf das Leben einzulassen. Das kann man in der Schule nicht lernen.
Außerdem entstehen immer mehr neue Berufe, für die noch keine Ausbildung erfunden wurde. Die Menschen geben sich Wissen weiter oder lernen aus Eigeninteresse. Beispiele für entsprechende Kompetenzen wären Suchmaschinenoptimierung oder Social Media-Marketing.
 
Wer oder was hat Dir die Kraft gegeben?
Mich hat allein die Vorstellung vom stumpfsinnigen Dahinvegetieren im Alltagstrott oder von der Abhängigkeit von irgendwelchen Einrichtungen davon abgehalten, in Krisenzeiten alles hinzuschmeißen.
Menschen helfen einem nicht. Die kommen nur an, wenn alles gut läuft und wollen was abhaben.
 
Was rätst Du anderen in einer beruflich schwierigen Situation?
In erster Line sollen sie sich darüber klar sein, was sie wollen. Das ist der erste und wichtigste Schritt. Danach gilt es, sich einen Plan zu machen, wie dieses Vorhaben zu erreichen ist (auch wenn es noch so aussichtslos scheint!) und Schritt für Schritt umzusetzen.
Es wird viel Kritik geben, oder Menschen, die es angeblich nur „gut meinen“ und einen vor dem „Absturz bewahren“ wollen usw. Einfach ignorieren und weiter machen! Ebenso diejenigen, die aus ihrem angeblich breiten Repertoire an Erfahrungen, aufzeigen, warum der Plan nicht funktioniert. Meistens ist nur heiße Luft dahinter.
Wichtig ist ferner aufmerksam durchs Leben zu gehen und alles aufzunehmen, was für die eigenen Ziele von Bedeutung sein kann.
Das Leben ist Entwicklung, folglich ist der Stillstand das Ende jedes Unternehmens. Sobald sich eine Firma auf ihren Leistungen ausruht und nicht mehr nach vorne schaut, geht es den Bach runter.
Auch an sich selbst muss man immer wieder arbeiten, sich neues Wissen, neue Kompetenzen aneignen, das eigene Verhalten analysieren usw.
Ferner empfehle ich, authentisch zu bleiben. „Das gehört nicht zum Dresscode.“, „Eine Dame darf das nicht tun.“, „Mit 50 ist man zu alt …“. Alle diese Begrenzungen gilt es aus dem Bewusstsein zu eliminieren und einfach das zu tun, wonach der Sinn steht. Klingt wie im Schlaraffenland, ist es aber nicht. Probieren Sie es aus, es ist gar nicht so einfach. Das Positive bei der Sache: Sie gehen nicht mehr in der Masse unter, sondern Sie werden in ihrer Einzigartigkeit mit Ihren Kompetenzen wahrgenommen.
 
Was willst Du sonst noch erzählen?
Ein iPad könnte ich gebrauchen. 🙂