Mit oder ohne Bildungsabschluss in den Beruf

Ein Abschluss bedeutet hierzulande sehr viel. Personaler in Deutschland prüfen die Bewerbungsunterlagen ihrer Kandidat/innen meist sehr genau und viele legen dabei großen Wert auf Diplome etc. Abschlüsse gelten logischerweise als Beweise für Fachkompetenzen und geben dem Arbeitgeber die Sicherheit, dass diese bei dem/der Bewerber/in vorhanden sind.

Doch mancher Abschluss aus dem Ausland zählt in Deutschland nicht viel. Die erworbene Bildung wird schlichtweg angezweifelt. So arbeiten Lehrerinnen häufig als Erzieherinnen  und erfahrene Krankenschwestern erhalten einen Job als Pflegehelferin. Gut ausgebildete Migranten müssen in Deutschland mit einer Dequalifizierung rechnen, d.h. unter ihrer Qualifikation arbeiten. Mit dieser Verschwendung von Bildung und Kompetenzen verlieren wir wichtiges menschliches Kapital. D.h. wir schaden damit nicht nur der arbeitenden Person, sondern auch dem Unternehmen, das sie nicht einstellen kann. Dieser Verlust an Kompetenz und Wissen kann sich auf Dauer niemand leisten – insbesondere in einer Gesellschaft, in der der demografische Wandel bereits auf dem Arbeitsmarkt deutlich zu spüren ist.

Wer in Deutschland nie einen Abschluss gemacht hat und sich trotzdem gut über Wasser halten konnte, auch der steht vielleicht irgendwann vor der Frage, wie es weitergehen soll. So müssen viele Servicekräfte im Gastgewerbe, die jahrelang gut verdient haben, irgendwann feststellen, dass es in diesem Beruf nicht ewig weitergeht.

Was sagen unsere Botschafter/innen zum Thema Bildungsabschluss? Lest hier, wie sich unsere Botschafter/innen dazu äußern und erzählt uns Eure Wege zum Abschluss! Jeder, dessen Beitrag freigeschaltet wurde, kann ein Kindle Paperwhite gewinnen.

Nadine, Pflegekraft

Ich wollte nach der Schulzeit eine Ausbildung zur Hotelfachfrau machen, doch nach mehreren Absagen habe ich dann in der Produktion in Schicht gearbeitet. Ich habe dort natürlich mehr verdient als meine Freunde in der Ausbildung und darüber war ich sehr glücklich.

Kai, Eventschuhputzer

Ich wollte immer gerne etwas mit Menschen machen, wusste allerdings (vor 25 Jahren) nicht, was. Später kam ich durch einen Zeitungsaufruf zum Hotel. Die suchten einen Pagen und in einem Moment wusste ich, das soll es sein. Meine Probleme vorher waren, dass ich nicht locker genug war und zu schüchtern.

Ausra, Heilpraktikerin Psychotherapie

Ich musste in dem Schuljahr, vor dem Abitur aus der Schule raus, weil ich schwanger war, und als meine Tochter 2,5  Jahre alt war bin ich arbeiten gegangen, weil ich das Geld für die Familie verdienen musste. Für Schule und Ausbildung gab es zunächst keine Zeit und Raum mehr in meinem Leben. Jetzt versuche ich mir einen Job im Sozialen Sektor zu finden und es ist fast unmöglich, weil ich kein Studium als Sozialpädagoge abgeschlossen habe. Ist das zwingend notwendig wenn der Mensch sich zeigt, dass der das gut kann, offen für Weiterbildung und das Lernen ist und Engagement zeigt? Ich glaube um in Sozialem Bereich arbeiten zu können braucht man zwingend: guten Eifühlungsvermögen, Kommunikationsstärke und den Rest muss und kann man lernen. Es wäre schön, wenn es für individuelle Fälle mehr Ausnahmen geben würde. Oft gilt in Deutschland eine Regel: Hast du ein „Papier“ bist du ein Mensch, hast du keins… Zum Glück ist das nicht immer so.

 

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