Quereinstieg

Eine Sozialpädagogin arbeitet bei der Bank, ein Turnierreiter wird Lehrer, eine Krankenschwester wird Erzieherin. Heutzutage sind die Lebensläufe nicht mehr nur sauber, ordentlich und ohne Lücken. Mehr und mehr Menschen stellen an einem Punkt in ihrem Leben fest, dass sie nun noch einmal von vorne anfangen wollen. Dass es so, wie es ist, noch nicht genug ist. Oder manche müssen sich verändern.

Der Turnierreiter kann gesundheitsbedingt nicht mehr reiten, hatte aber auch mal Politik studiert und unterrichtet nun, nach einer Weiterbildung, eine 9.Klasse in Gesellschaftskunde. Die Sozialpädagogin findet nur Kurzzeitverträge unter schlechten Arbeitsbedingungen, bis sie schließlich im Bereich Personal bei einer Bank anfängt. Dort sind ihre pädagogischen Fähigkeiten mehr gefragt als sie dachte. Sie sucht mit Feingefühl neue Mitarbeiter/innen aus und ist mit Rat und Tat zur Stelle, wenn Kolleg/innen Probleme mit dem Chef/ der Chefin haben.

Es gibt viele Gründe für den Schritt in eine ganz andere Berufswelt. Es lohnt sich auf jeden Fall, über den Tellerrand zu schauen, um zu sehen, was man mit seinen Fähigkeiten noch so machen könnte.

Dafür muss man sich natürlich zunächst einmal im Klaren darüber sein, was man gut kann und was nicht. Dafür kann man die eigene Familie und die Freunde befragen, möglicherweise trauen die sich aber nicht, die eigenen Schwächen anzusprechen.

Daher hilft in solchen Fällen eine unbekannte Person, jemand der Beratung oder Coaching macht.

Haben Sie Erfahrungen mit Coaching? Sind Sie irgendwo quereingestiegen?

Katrin, Erzieherin

Ich hatte früher nie große Schwierigkeiten mit meinen Bewerbungen. Allerdings war es zunächst nicht einfach für meine jetzige berufsbegleitende Ausbildung zur Erzieherin einen Betrieb zu finden. Aufgrund meines Alters habe ich in diesem Zusammenhang Ablehnung erfahren. Außerdem habe ich das ganze Einstellungsverfahren als sehr langwierig empfunden und das war teilweise entwürdigend. Es gab sehr viele Gespräche, bis ich schließlich genommen wurde. Am Ende konnte ich aber überzeugen – nicht zuletzt dadurch, dass ich bereits mit Schülern gearbeitet hatte.

Ausra, Heilprakterin Psychotherapie

Ich finde, in vielen Berufen wird es Quereinsteigern richtig schwer gemacht. Um Erfahrungen zu sammeln, nach der Heilpraktikerausbildung, habe ich ein Jahr lang im sozialen Bereich als Praktikantin gearbeitet, danach auch noch ehrenamtlich. Ich hatte viel Anerkennung, Freiraum, tolle Kolleginnen, sehr gute Praktikumszeugnisse. Jetzt versuche ich mir einen Job im sozialen Sektor zu finden und es ist fast unmöglich, weil ich kein Studium als ozialpädagogin habe. Ist das zwingend notwendig wenn der Mensch zeigt, dass er etwas gut kann und engangiert ist? Es wäre schön, wenn es für individuelle Fälle Ausnahmen geben würde. Aber es gilt leider in Deutschland eine Regel: hast du ein „Papier“, bist du ein Mensch.

 

 

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